Die Sachlage
Armut treibt sie auf die Straße. Sie stehen an den Straßenecken der Tourismuszentren von Bangkok oder anderen Städten und prostituieren sich: Mädchen und Jungen. Ein Leben, das sie freiwillig nie gewählt, für das sie sich ohne den Druck der Erwachsenen und die Unzulänglichkeiten der Gesellschaft nie entschieden hätten. Ein Überlebenskampf, der an Härte und Grausamkeit kaum zu überbieten ist. Das Alter bestimmt den Marktwert. Achtjährige und jüngere – eher die Regel als die Ausnahme.
Kinder deren Leben zerstört wurde, noch ehe es richtig begann, verblüht, noch ehe es sich entfalten konnte. “Ich war acht und wurde eine Frau, noch ehe ich ein Mädchen war”, so formuliert es ein ehemaliges Straßenmädchen. Sie schaffte es. Sie fand Menschen, die ihr halfen, eine echte Alternative zu dem Leben auf der Straße aufzubauen. Und die meisten der anderen? Sie werden krank, oftmals HIV-infiziert. Durchschnittliche Lebenserwartung: 21 Jahre.
Die Reaktionen
Schlagzeilen, Betroffenheit, oftmals verbunden mit einem Gefühl tiefer Hilflosigkeit: Was kann ich als Einzelner am Schicksal dieser Kinder schon ändern? Ist es nicht in erster Linie Sache der jeweiligen Regierungen, hier einzugreifen? Fragen die immer wieder gestellt werden. Und sie sind berechtigt. Doch was nützt es diesen Kindern, wenn sie von der Polizei gejagt und in Erziehungsheime, vergleichbar mit Gefängnissen, gesteckt werden? Ein Gewaltpotential baut sich auf und kaum entlassen, kehren die meisten dorthin zurück, wo man sie aufgegriffen hat: auf die Straße.
Doch es ist leichter, diese Situation anzuprangern, als nach Wegen und Möglichkeiten zu suchen diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Denn was diese Kinder vor allem brauchen, auch vor allem suchen, ist Zuwendung. Sie wollen nicht nur “abgespeist” und “verwahrt” werden. Sie brauchen auch nicht nur eine medizinische Behandlung der Wunden ihres Körpers, sie brauchen vor allem eine Behandlung ihrer seelischen Wunden, eine Aufarbeitung der traumatischen Erfahrungen der Straße.
(Da uns eine sachliche und kompetente Darstellung sehr wichtig ist, haben wir hier auf Bilddokumentationen verzichtet)
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