Die in den umliegenden Bergen des Nordens lebenden Bergvölker sind in insgesamt sechs große und einige kleinere Stämme unterteilt, die sehr unterschiedliche Entwicklungen und historische Entwicklungen durchlebt haben.
Seitens der thailändischen Regierung kam ihnen erstmalig im Jahr 1959 mit der Gründung eines Nationalkomitees für Belange Hilfe zu. Heute arbeiten verschiedene staatliche und nichtstaatliche Organisationen mit ihnen zusammen. Die bedeutendste Institution ist das „Royal Development Project for the Hill Tribes“ (königliches Entwicklungsprojekt).
Trotz vieler Bemühungen haben die Bergvölker nur schlechten Zugang zu Bildungseinrichtungen, auch die ärztliche Versorgung ist kaum ausgebaut. Sie leben oft vom Gemüseanbau in den weniger ertragreichen Hang- und Höhenlagen der Berge, und erzielen damit weitaus niedrigere Einkommen als ihre thailändischen Nachbarn, die in den komfortablen Tälern vom Reisanbau ihr Auskommen bestreiten.
In der Regenzeit sind viele der Dörfer kaum erreichbar. Schlecht oder gar nicht ausbgebaute Schlammpisten sind nach kräftigen Regenschauern oft unbefahrbar – die Dörfer für viele Tage von der Außenwelt abgeschnitten.
Hinzu kommt außerdem die kulturelle Isolation, die jede Identifikation mit Thailand als “Heimat” im keim erstickt. Auf die Landesprache Thai beherrschen viele der Bergvölker nicht. Gerade einmal 25 Prozent besitzt die thailändische Staatsbürgerschaft, für die große Mehrheit ist der Erhalt eines Thai-Ausweises ein Ding der Unmöglichkeit.
Die Bergvölker in unserem Umfeld
Die Kharenthai – Mit rund 300.000 Mitgliedern sind sie der größte Stamm in Thailand. Ein noch viel größerer Teil von ihnen (fast 5 Mio.) lebt im benachbarten Burma, dem heutigen Myanmar. Dort werden sie vom burmesischen Militär drastisch verfolgt und es kommt immer wieder zu blutigen Zwischenfällen. Wie alle Thai-Völker sollen auch sie ihren Ursprung im Süden Chinas haben. Man geht heute davon aus, dass sie vor mehr als 2600 Jahren aus dem Tibet kamen. Seit etwa 200 Jahren siedeln sie in Thailand, westlich von Chiang Mai, nordwestlich von Chiang Rai und entlang der Grenze bis etwas südlich von Petchburi.
Die Meothai – Sie sind ebenfalls ein bekannter Bergstamm. Ihre etwa 70.000 Angehörigen leben nördlich und östlich von Chiang Mai, nahe der laotischen Grenze. Vereinzelt haben sie sich auch südlich von Tak angesiedelt.
Die Yaothai – Vor ungefähr 200 Jahren sind sie, vermutlich ebenfalls aus Südchina stammend, in Thailand eingewandert. Hier gibt es heute 40.000 von ihnen, während etwa 200.000 in Vietnam und noch rund 1,3 Mio. in China leben. Die Yao sind auch unter dem Namen Mien bekannt und haben sich um Chiang Mai, Nan und im Grenzgebiet zu Laos angesiedelt.
Die Lahuthai – Im vergangenen Jahrhundert kam diese Gruppe aus dem chinesischen Yünnan über Ostburma nach Thailand. 55.000 von ihnen leben heute entlang der burmesischen Grenze nördlich von Chiang Mai und in der Umgebung von Chiang Rai.
Die Arkhathai – Sie sind die so genannten Hunde-Esser, so genannt wegen ihrer Vorliebe für Hundefleisch, und wanderten während der Jahrhundertwende aus Kumming in der chinesischen Provinz Yünnan in Thailand ein; überwiegend in den Norden von Chiang Mai und Chiang Rai. Dieser Volksstamm hat heute etwa 28.000 Angehörige.
Die Lihsuthai – Das Volk der Lihsu stammt vermutlich aus dem Osten Tibets und nachweislich erst seit 1921 in Thailand. Sie zählen heute 24.000 Mitglieder und leben nahe der burmesischen Grenze, nördlich von Chiang Mai und westlich von Chiang Rai. Auch ihre Herkunft ist noch immer eine interessante Forschungsaufgabe, und ihre Mythen und Überlieferungen bergen noch so manches Geheimnis.
Alle Bergstämme sind in ihrer Kultur eigenständig. Weit verbreitet ist noch der Animismus und Tieropfer, um die Geister zu beruhigen. Der stetig wachsende Touristenstrom wirkt sich seit einiger Zeit negativ auf die Wertvorstellungen der Bergstämme aus, da er sie immer mehr in ein ungesundes, finanzielles Abhängigkeitsverhältnis bringt.
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